Zum Kiebertsee im Nauheimer Unterwald

Auf den ersten Blick wirkt der Nauheimer Unterwald wie ein typischer Wald im Hessischen Ried. Doch bei genauerem Hinsehen zeigt sich seine Besonderheit: In einem abgegrenzten Bereich wird bewusst auf forstliche Nutzung verzichtet. Hier stehen nicht Holzertrag oder Pflegeeingriffe im Vordergrund, sondern natürliche Entwicklungsprozesse. Auf rund 50 Hektar des Nauheimer Unterwalds wurde ein kommunaler Nutzungsverzicht festgelegt. In diesem Bereich dürfen Buchen, Eichen und Eschen – darunter auch ältere Exemplare – ohne Holzeinschlag altern. Abgestorbene oder umgestürzte Bäume bleiben liegen, zersetzen sich allmählich und tragen so zur Humusbildung bei. Das entstehende Totholz bietet zahlreichen Insektenarten, Pilzen und Mikroorganismen Lebensraum und erhöht die Vielfalt des Waldes. Der übrige Teil des insgesamt rund 200 Hektar großen Nauheimer Unterwalds wird weiterhin nachhaltig bewirtschaftet und ist PEFC-zertifiziert. Damit stehen Nutzungsverzicht und nachhaltige Forstwirtschaft hier nicht im Widerspruch, sondern ergänzen sich.

Wer vom Hauptweg in Richtung Schwarzbach abbiegt, erreicht den Kiebertsee. Das kleine Stillgewässer ist ein Überbleibsel des regionalen Sand- und Kiesabbaus. Mit einer Tiefe von bis zu sieben Metern bietet der See heute ein Angelrevier für den örtlichen Angelsportverein und ist ein ruhiger Ort zum Verweilen.

Der Nauheimer Unterwald zeigt, wie sich Erholung und Naturschutz gut verbinden lassen. Hier kann man spazieren gehen, die Natur genießen und gleichzeitig sehen, wie wertvoll es ist, der Natur Raum zu lassen.

Ein Wald, der zeigt: Manchmal ist das Beste, was wir tun können, einfach nichts zu tun.