Was heute ein beliebtes Naherholungsziel im Süden der Stadt ist, war einst dem Adel vorbehalten. Die Verwandlung vom exklusiven Jagdrevier zum öffentlichen Landschaftspark ist eng mit den Grafen von Katzenelnbogen und dem hessischen Landgrafenhaus verknüpft.
Von der Wasserburg zur Fasanenmauer
Die Geschichte beginnt 1259 auf der Dornburg, einer mittelalterlichen Wasserburg. Nachdem das Geschlecht der Katzenelnbogener ausstarb, übernahmen die hessischen Landgrafen das Ruder. Als die Burg 1689 im Pfälzischen Erbfolgekrieg zerstört wurde, verschwand sie nicht einfach: Ihre Steine wurden zum Fundament für etwas Neues. Landgraf Ludwig VIII., ein leidenschaftlicher Jäger, ließ daraus zwischen 1722 und 1726 die Mauer für seine Fasanerie errichten. Da Fasane damals bei uns nicht heimisch waren, wurden sie extra aus dem Kaukasus importiert und hier für die herrschaftliche Jagd gezüchtet.
Der Tiergarten: Ein Kapitel geht zu Ende
Vielen ist der südliche Teil des Parks noch als Tiergarten in Erinnerung. Seit 1958 tummelten sich dort auf gut drei Hektar rund 300 Tiere – von heimischem Damwild bis zu exotischen Nandus. Über Jahrzehnte war er der Magnet für Familien und Schulklassen. Doch 2022 endete diese Ära abrupt: Fehlende Genehmigungen und Verstöße gegen Tierschutzauflagen führten zur Schließung. Es ist ein trauriges Bild: Auch Jahre später stehen fast täglich Familien mit erwartungsvollen Kindern vor den verschlossenen Toren, denn eine Wiedereröffnung ist derzeit nicht in Sicht.
Ein Erlebnispunkt im Regionalpark
Seit 2012 gehört die 30 Hektar große Anlage zum Regionalpark Rhein-Main. Man hat viel investiert, um den Park behutsam zu entwickeln: Die historische Mauer wurde freigelegt und Infotafeln aufgestellt – auch wenn der Vandalismus leider seine Spuren an ihnen hinterlassen hat. Das Ziel bleibt jedoch klar: Der Park soll als naturbelassener Rückzugsraum erhalten bleiben.
Die Fasanerie heute: Natur pur
Heute ist die Fasanerie ein Ort, an dem die Natur Regie führt. Auf den weiten Wiesen und im dichten Mischwald darf Totholz liegen bleiben, um Insekten und Kleinstlebewesen als wertvoller Lebensraum zu dienen. Ein Waldlehrpfad erklärt die Zusammenhänge, während überall die Geschichte durchschimmert: von den alten Steinen der Dornburg bis hin zu den Spuren der landgräflichen Jagdlust.
Mein persönlicher Rückzugsort
Für mich ist die Fasanerie weit mehr als nur ein Punkt auf der Landkarte. Sie ist ein Stück meiner eigenen Biografie. Ich erinnere mich gut an die Spaziergänge mit meinen Eltern: Mein Vater steuerte immer zielstrebig das Eselsgehege an, während ich am Kiosk mein Orangeneis bekam und danach die Enten füttern durfte.
Heute ist der Park mein fester Begleiter im Alltag. Mehrmals pro Woche bin ich hier zum Walking auf den schattigen Waldwegen unterwegs. Der Moment, wenn der Blick über den Enten- und Schildkrötenweiher schweift, ist meine kleine Auszeit vom Alltag. Wer Ruhe sucht und gleichzeitig ein wenig in der Zeit reisen möchte, sollte diesen besonderen Ort im Hessischen Ried selbst erkunden.
Mein Fazit für den Besuch
Die Fasanerie ist ein Ort der Kontraste: Hier trifft die steinerne Geschichte der Landgrafen auf eine Natur, die sich ihre Freiräume (wie das Totholz für Insekten) zurückerobert. Besonders jetzt im zeitigen Frühjahr lohnt sich der Blick auf den Waldboden, wenn das frische Moos leuchtet und die ersten Bärlauchspitzen durch das Vorjahreslaub brechen, ist die Aufbruchstimmung der Natur förmlich greifbar.