6.000 geöffnete Denkmäler am Tag des offenen Denkmals – die Auswahl fiel schwer. Wir entschieden uns für einen außergewöhnlichen Backsteinbau: die Christkönigskirche in Bischofsheim.
Die Kirche entstand 1926/27 nach Plänen von Dominikus Böhm. Der Kölner Architekt prägte den modernen Kirchenbau in Deutschland wie kaum ein anderer. Sein Bau fügt sich selbstverständlich ins Ortsbild ein: roter Backstein, klare Formen. Industrie, Handwerk, Wohnbebauung – Böhm nahm diese Umgebung ernst und übersetzte sie in Architektur.
Der Bauplatz war eng, die Nachbargrundstücke bebaut. Böhm machte aus der Einschränkung ein Prinzip: Die Kirche wirkt fast ausschließlich über ihre Schauseite. Seitliche Fassaden? Weitgehend Fehlanzeige. Der Bau steht geschlossen da, ruhig und konzentriert. Er zeigt Präsenz, ohne monumental zu sein.
Im Inneren setzt sich diese Klarheit fort. Ein parabelförmiges Gewölbe überspannt den Raum und reicht fast bis zum Boden. Nichts lenkt ab, nichts ist dekorativ. Der Blick wandert unweigerlich nach vorn. Licht, Proportion, Material bestimmen die Atmosphäre. Backstein und Beton – eine selbstverständliche Kombination. Die Spannung entsteht nicht aus Ornamenten, sondern aus Geometrie und Rhythmus. Auch nach fast hundert Jahren wirkt der Bau zeitlos.
Im Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche schwer beschädigt. Jahrelang blieb sie Ruine. Die Restaurierung ab den 1960er-Jahren orientierte sich eng am Original. Heute zeigt sich die Christkönigskirche als eindrucksvolles Beispiel moderner Baukunst mit handwerklicher Materialität.
Ein stiller, aber eindringlicher Ort für alle, die sich für Architektur des 20. Jahrhunderts interessieren. Ein Gebäude, das nicht überwältigt, sondern durch Konsequenz überzeugt.
Gut zu wissen
Die Kirche ist während der Gottesdienste geöffnet. Außerdem kann sie tagsüber auf Anfrage zu den Öffnungszeiten des Pfarrbüros besichtigt werden: montags und donnerstags von 9:00 bis 11:00 Uhr, dienstags von 16:30 bis 18:30 Uhr. Weitere Informationen finden Sie bei der Pfarrgruppe Mainspitze.
Mein Dank gilt Hans-Dieter Meinl, Küster der Kirche, sowie Pfarrer i. R. Bardo Maria Haus für die ausführlichen Erläuterungen und die informative Führung.