In den Bruchwiesen bei Büttelborn

Herbstlaub am Landgraben
Der Landgraben in den Bruchwiesen

Gleich hinter dem Ortsrand von Büttelborn öffnet sich eine Landschaft, die man hier kaum erwarten würde: Feuchte Wiesen, ausgedehnte Schilfbestände und schmale Wasserläufe prägen diesen besonderen Naturraum. Über Jahrtausende haben Rheinverlagerungen, hohe Grundwasserstände und Ablagerungen im Oberrheingraben eine vielfältige Niedermoor- und Auenlandschaft geformt – ökologisch wertvoll und bis heute bemerkenswert lebendig.

Die abwechslungsreiche Landschaft aus Feuchtwiesen, Röhrichten, Gräben sowie kleineren Erlen- und Eichenbeständen bietet zahlreichen Vogelarten ideale Bedingungen. Neben Brutvögeln nutzen viele Arten das Gebiet als Rast- und Nahrungsplatz während des Vogelzugs. Eine besonders auffällige Art ist der Weißstorch. Mehrere Brutpaare nutzen die offenen Wiesen zur Nahrungssuche und während der Zugzeiten können sich zeitweise größere Gruppen versammeln.  Neben dem Weißstorch sind zahlreiche weitere Wiesen- und Röhrichtvögel regelmäßig zu beobachten. Rohrweihen kreisen über den Schilfflächen, Bekassinen zeigen im Frühjahr ihr typisches Balzverhalten, Blaukehlchen und Schilfrohrsänger nutzen die dichten Röhrichte und Eisvögel jagen entlang der Gräben. Auch Tüpfelsumpfhuhn, Wasserralle und gelegentlich der Wachtelkönig finden in den feuchten Wiesen geeignete Lebensräume. Diese Arten sind auf dauerhaft nasse Flächen angewiesen – ein Lebensraum, der in Mitteleuropa selten geworden ist.

Die Bruchwiesen erfüllen nicht nur eine wichtige Funktion für die Artenvielfalt, sondern auch für den Klimaschutz. Als Niedermoorflächen speichern sie große Mengen Kohlenstoff, sofern sie ausreichend feucht bleiben. Um den Wasserhaushalt zu stabilisieren und die offene Landschaft zu erhalten, engagieren sich der NABU Groß-Gerau und die NABU-Stiftung Hessisches Naturerbe seit Jahren für den Schutz der Flächen. Mehrere Dutzend Hektar befinden sich in ihrem Besitz oder werden von ihnen betreut.

Ein Besuch ist zu jeder Jahreszeit reizvoll. Besonders in den frühen Morgen- und Abendstunden entfaltet das Gebiet seine eigene Klanglandschaft: Vogelrufe aus den Röhrichten, Rascheln im Schilf, das Klappern der Störche. Die Bruchwiesen bei Büttelborn machen eindrucksvoll erfahrbar, welchen Wert Feuchtgebiete für die biologische Vielfalt, den Klimaschutz und nicht zuletzt als Orte der Ruhe besitzen.

Ausführliche Informationen über die Tier- und Pflanzenwelt in den Bruchwiesen
>> gg-online

Ein Film von Yvonne Steplavage über Störche in den Bruchwiesen
>> Youtube